Prof. Dr. Herbert Günther

Forschungsprojekte

Forschungsprojekt:
Erwerb der deutschen Sprache in Wort und Schrift der Flüchtlingskinder  - Interviews mit Schulaufsichtsbeamten des Ministeriums, Schulleitern Lehrern, geflüchteten Eltern, deutschen Eltern, geflüchteten Kidnern und deutschen Kindern.

Zurzeit werden ca. 300.000 Flüchtlingskinder in unseren Schulen aufgenommen, integriert und im Erwerb der deutschen Sprache als Zweitsprache unterstützt, begleitet und gefördert. Das ist ein schwieriger und langer Weg, weil die meisten der Lehrkräfte überrascht und nicht ausreichend auf diese neue Herausforderung vorbereitet sind. Die zentrale Frage lautet: Wie unterrichtet man ein geflüchtetes Kind in der Schule, das kein einziges Wort Deutsch versteht und spricht?
Sprachförderung bzw. Sprachunterricht vollzieht sich in folgenden fünf aufeinanderfolgenden Lebensbereichen:
- im familiären Bereich (Familie als erste, wichtigste und natürlichste Form der Sprachförderung)
- im vorschulischen Bereich (Krippe, Kita)
- im schulischen Bereich (Schulen)
- im außerschulischen Bereich (schülerorientierte Sprachförderung am Nachmittag oder in den Ferien)
- im nachschulischen Bereich (Freizeit, berufliche Ausbildung)

Theorie

Wir gehen von folgenden theoretischen Ansätzen aus: dem lernbiografischen Ansatz (Apeltauer/Senyilditz 2011), der Lebensverlaufstheorie (Eder/Kilpatrick & Crosnoe 2003), der Tätigkeitstheorie (Luria 1985), der Informationsstufentheorie (Radigk 1989) und der Aneignunsgtheorie (Galperlin 1967) sowie der Idee des reziproken Lernens, d.h. des gegenseitigen Lernen mit- und untereinander Lernens in kommunikativ angereicherten Situationen des Alltags. Gute und vielseitige Beziehungen sind die Basis dieser pädagogischen Arbeit. Die normative Leitformel lautet: durchgängige Sprachbildung und gleichzeitig Schriterwerb innerhalb und außerhalb der Schule.

Grundlegende Aspekte
Drei Aspekte sollen in diesem Projekt besprochen, diskutiert, überprüft und angegangen werden:
(1) die Zeitachse: Wie lange brauchen Flüchtlingskinder, um die deutsche Sprache in Wort und Schrift zu erlernen? Die Kinder sollen ja nicht nur die deutsche Sprache verrstehen und sprechen können, sie sollen ja auch selbständig, sinnentnehmend lesen und spontan und eigenständig schreiben können.
(2) die Hierarchie: Wie können wir die gesprochene Sprache und die Alphabetisierung intelligent mit einander verknüpfen? Es geht darum, die gesprochene Sprache als Basiskompetenz zu verstehen und darauf aufbauend, das Lesen und Schreiben anzubahnen und zu fördern.
(3) das Konzept: Welches sprachpädagogische Konzept bietet sich auf der Orientierungs-,Struktur-, Prozess-, Kontroll- und Wirkungsebene hier besonders an? Kann die Lehrerin im Alltag eine Unterrichts-Konzept entwickeln, das den Anforderungen bei der unterrichtung von Flüchtlingskindern entspricht.

Methodischer Ansatz
Als Erhebungsmethode dient das problemzentrierte Interview (PZI) nach Andreas Witzel (2000); dabei geht es um die subjektiev Sichtweie des Interviewten. Der Interviewer führt ein mündliches Interview als systematische Methode zur Informationsgewinnung mit Schulaufsichtsbeanten (Schulrätinnen), Schulleiterinnen und Schulleiterm, Lehrkräften, geflüchteten Eltern und deren Kindern durch. Das Interview ist zeitlich ökonomisch und praktikabel und bietet einen relativ offen Zugang zum Thema und Problem. Folgende Instrumente werden eingesetzt: Kurzfragebogen, Tonträgeraufzeichnung, Postskript und Leitfaden. Wir werden mit einem Intervieleitfaden die betroffenen Lehrkräfte, die Flüchtlingskinder unterrichten, in den Schulen vor Ort, die Schulaufsichtsbeamten, die Eltern und deren Kinder befragen.

Die Auswertung erfolgt über die vollständige Transkription der durchgeführten Interviews. Dabei oriedntieren wir uns an den Transkriptionsregeln nach Kuckartz (2016) und der modulartigen Transkription nach Fuß & Karbach (2014). Die Auswertung erfolggt weiterhin in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2015). Die Texte werden systematisch analysiert und schrittweise in die einzelnen Einheiten zerlegt. Die wichtigen Aspekte werden auf der Grundlage des Kategorienssystem herausgearbeitet. Es handelt sich daher um eine kategoriengestütze Textanalyse.

Einführende Basisliteratur
 Jung, Britta/Günther, Herbert (2016): Erstsprache Zweitsprache Fremdsprache. Eine Einführung. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

Die Besprechungen zur Masterarbeit erfolgen nach individueller Terminabsprache mit den Studierenden.


Leitfaden

zum Interview mit den Lehrkräften, Eltern und Schülern in den Grundschulen zum Thema "Zweitspracherwerb der Flüchtlingskinder - Interviews mit Schulaufsichtsbeamten, Schulleitern, Lehrkräften Eltern und Schülern".

Mit der mündlichen Befragung wollen wir erheben, bei welchen konkreten Fragen und Problemen im Alltag von Schule und Unterricht sich Grundschullehrkräfte allein gelassen fühlen, Hilfe und Unterstützung brauchen oder spezielle Fortbildungsmaßnahmen zu ihrer täglichen Arbeit mit Kindern, die kein Wort Deutsch verstehen und sprechen, benötigen. Beid er Durchführung der Interviews mit den geflüchteten Eltern und deren Kindern benötigen wir Dolmetscherinnen und Doömetscher. Das Ziel ist es, eine Reihe von konkreten und wichtigen Fragen zu stellen, Kategorien zu bilden und damit wichtige Dimensionen in dieser Flüchtlingsarbeit aufzuzeigen, die den Erwerb der deutschen Sprache verbessern können.
Es geht um die Verbesserung des Sprachunterrichts in den Grundschulen.

Dauer des Interviews ca. 45 Minuten